Donnerstag, 11. Juli 2013

Fortsetzung und Inspiration

 Als der Schneider das hörte, stutzte er und sah wohl daß er seine drei Söhne ohne Ursache verstoßen hatte. 'Wart,' rief er, 'du undankbares Geschöpf, dich fortzujagen ist noch zu wenig, ich will dich zeichnen daß du dich unter ehrbaren Schneidern nicht mehr darfst sehen lassen.' In einer Hast sprang er hinauf, holte sein Bartmesser, seifte der Ziege den Kopf ein, und schor sie so glatt wie seine flache Hand. Und weil die Elle zu ehrenvoll gewesen wäre, holte er die Peitsche und versetzte ihr solche Hiebe, daß sie in gewaltigen Sprüngen davon lief.
Der Schneider, als er so ganz einsam in seinem Hause saß, verfiel in große Traurigkeit und hätte seine Söhne gerne wieder gehabt, aber niemand wußte wo sie hingerathen waren. Der älteste war zu einem Schreiner in die Lehre gegangen, da lernte er fleißig und unverdrossen, und als seine Zeit herum war, daß er wandern sollte, schenkte ihm der Meister ein Tischchen, das gar kein besonderes Ansehen hatte, und von gewöhnlichem Holz war: aber es hatte eine gute Eigenschaft. Wenn man es hinstellte, und sprach 'Tischchen, deck dich,' so war das gute Tischchen auf einmal mit einem saubern Tüchlein bedeckt, und stand da ein Teller, und Messer und Gabel daneben, und Schüsseln mit Gesottenem und Gebratnem, so viel Platz hatten, und ein großes Glas mit rothem Wein leuchtete daß einem das Herz lachte. Der junge Gesell dachte 'damit hast du genug für dein Lebtag,' zog guter Dinge in der Welt umher und bekümmerte sich gar nicht darum ob ein Wirthshaus gut oder schlecht und ob etwas darin zu finden war, oder nicht. Wenn es ihm gefiel, so kehrte er gar nicht ein, sondern im Feld, im Wald, auf einer Wiese, wo er Lust hatte, nahm er sein Tischchen vom Rücken, stellte es vor sich und sprach 'deck dich,' so war alles da, was sein Herz begehrte. Endlich kam es ihm in den Sinn, er wollte zu seinem Vater zurückkehren, sein Zorn würde sich gelegt haben, und mit dem Tischchen deck dich würde er ihn gerne wieder aufnehmen. Es trug sich zu, daß er auf dem Heimweg Abends in ein Wirthshaus kam, das mit Gästen angefüllt war: sie hießen ihn willkommen und luden ihn ein sich zu ihnen zu setzen und mit ihnen zu essen, sonst würde er schwerlich noch etwas bekommen. 'Nein,' antwortete der Schreiner, 'die paar Bissen will ich euch nicht vor dem Munde nehmen, lieber sollt ihr meine Gäste sein.' Sie lachten und meinten er triebe seinen Spaß mit ihnen. Er aber stellte sein hölzernes Tischchen mitten in die Stube und sprach 'Tischchen, deck dich.' Augenblicklich war es mit Speisen besetzt, so gut wie sie der Wirth nicht hätte herbeischaffen können, und wovon der Geruch den Gästen lieblich in die Nase stieg. 'Zugegriffen, liebe Freunde,' sprach der Schreiner, und die Gäste, als sie sahen wie es gemeint war, ließen sich nicht zweimal bitten, rückten heran, zogen ihre Messer und griffen tapfer zu. Und was sie am meisten verwunderte, wenn eine Schüssel leer geworden war, so stellte sich gleich von selbst eine volle an ihren Platz. Der Wirth stand in einer Ecke und sah dem Dinge zu; er wußte gar nicht was er sagen sollte, dachte aber 'einen solchen Koch könntest du in deiner Wirthschaft wohl brauchen.' Der Schreiner und seine Gesellschaft waren lustig bis in die späte Nacht, endlich aber legten sie sich schlafen, und der junge Geselle gieng auch zu Bett und stellte sein Wünschtischchen an die Wand. Dem Wirthe aber ließen seine Gedanken keine Ruhe, es fiel ihm ein daß in seiner Rumpelkammer ein altes Tischchen stände, das gerade so aussähe: das holte er ganz sachte herbei, und vertauschte es mit dem Wünschtischchen. Am andern Morgen zahlte der Schreiner sein Schlafgeld, packte sein Tischchen auf, dachte gar nicht daran daß er ein falsches hätte, und gieng seiner Wege. Zu Mittag kam er bei seinem Vater an, der ihn mit großer Freude empfieng. 'Nun, mein lieber Sohn, was hast du gelernt?' sagte er zu ihm. 'Vater, ich bin ein Schreiner geworden.' 'Ein gutes Handwerk,' erwiederte der Alte, 'aber was hast du von deiner Wanderschaft mitgebracht?' Vater, das beste, was ich mitgebracht habe, ist das Tischchen.' Der Schneider betrachtete es von allen Seiten und sagte 'daran hast du kein Meisterstück gemacht, das ist ein altes und schlechtes Tischchens 'Aber es ist ein Tischchen deck dich,' antwortete der Sohn, 'wenn ich es hinstelle, und sage ihm es sollte sich decken, so stehen gleich die schönsten Gerichte darauf und ein Wein dabei, der das Herz erfreut. Ladet nur alle Verwandte und Freunde ein, die sollen sich einmal laben und erquicken, denn das Tischchen macht sie alle satt.' Als die Gesellschaft beisammen war, stellte er sein Tischchen mitten in die Stube und sprach 'Tischchen, deck dich.' Aber das Tischchen regte sich nicht und blieb so leer wie ein anderer Tisch, der die Sprache nicht versteht. Da merkte der arme Geselle daß ihm das Tischchen vertauscht war, und schämte sich daß er wie ein Lügner da stand. Die Verwandten aber lachten ihn aus, und mußten ungetrunken und ungegessen wieder heim wandern. Der Vater holte seine Lappen wieder herbei und schneiderte fort, der Sohn aber gieng bei einem Meister in die Arbeit.



  Jacob Grimm 1785 - 1863 u. Wilhelm Grimm 1786 - 1859
Eine kleine Inspiration für Euch:
 Was kann es anderes sein, als eine House Mouse Karte?
Die Kartenform etwas ungewöhnlich für mich,
es ist eine Dreieckskarte.
 Hier die Detailaufnahmen:

Wir freuen uns auf Eure Teilnahmen.
Eure Lizzy

1 Kommentar:

  1. die sind ja supersüß und da ist der tisch eindeutig gedeckt

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