Montag, 1. Juli 2013

# 4 Tischlein deck Dich

Seid herzlich Wilkommen hier auf unsrer Märchenstunde
 Heute startet ein neuer Monat und somit ein neues Thema
Das Thema lautet
#4 Tischlein deck Dich


Tischchen deck dich, Goldesel, und Knüppel aus dem Sack
Vor Zeiten war ein Schneider, der drei Söhne hatte und nur eine einzige Ziege. Aber die Ziege, weil sie alle zusammen mit ihrer Milch ernährte, mußte ihr gutes Futter haben und täglich hinaus auf die Weide geführt werden. Die Söhne thaten das auch nach der Reihe. Einmal brachte sie der älteste auf den Kirchhof, wo die schönsten Kräuter standen, ließ sie da fressen und herumspringen. Abends, als es Zeit war heim zu gehn, fragte er 'Ziege, bist du satt?' Die Ziege antwortete

         'ich bin so satt,
         ich mag kein Blatt: meh! meh!'

'So komm nach Haus' sprach der Junge, faßte sie am Strickchen, führte sie in den Stall und band sie fest. 'Nun,' sagte der alte Schneider, 'hat die Ziege ihr gehöriges Futter?' 'O,' antwortete der Sohn, 'die ist so satt, sie mag kein Blatt.' Der Vater aber wollte sich selbst überzeugen, gieng hinab in den Stall, streichelte das liebe Thier und fragte 'Ziege, bist du auch satt?' Die Ziege antwortete

         'wovon sollt ich satt sein?
         ich sprang nur über Gräbelein,
         und fand kein einzig Blättlein: meh! meh!

'Was muß ich hören!' rief der Schneider, lief hinauf und sprach zu dem Jungen 'ei, du Lügner, sagst die Ziege wäre satt, und hast sie hungern lassen?' und in seinem Zorn nahm er die Elle von der Wand und jagte ihn mit Schlägen hinaus.
Am andern Tag war die Reihe am zweiten Sohn, der suchte an der Gartenhecke einen Platz aus, wo lauter gute Kräuter standen, und die Ziege fraß sie rein ab. Abends, als er heim wollte, fragte er 'Ziege, bist du satt?' Die Ziege antwortete

         'ich bin so satt,
         ich mag kein Blatt: meh! meh!'

'So komm nach Haus,' sprach der Junge, zog sie heim und band sie im Stalle fest. 'Nun,' sagte der alte Schneider, 'hat die Ziege ihr gehöriges Futter?' 'O,' antwortete der Sohn, 'die ist so satt, sie mag kein Blatt.' Der Schneider wollte sich darauf nicht verlassen, gieng hinab in den Stall und fragte 'Ziege, bist du auch satt?' Die Ziege antwortete

         'wovon sollt ich satt sein?
         ich sprang nur über Gräbelein,
         und fand kein einzig Blättelein: meh! meh!'

'Der gottlose Bösewicht!' schrie der Schneider, 'so ein frommes Thier hungern zu lassen!' lief hinauf, und schlug mit der Elle den Jungen zur Hausthüre hinaus.
Die Reihe kam jetzt an den dritten Sohn, der wollte seine Sache gut machen, suchte Buschwerk mit dem schönsten Laube aus, und ließ die Ziege daran fressen. Abends, als er heim wollte, fragte er 'Ziege, bist du auch satt?' Die Ziege antwortete

         'ich bin so satt,
         ich mag kein Blatt: meh! meh!'

'So komm nach Haus,' sagte der Junge, führte sie in den Stall und band sie fest. 'Nun,' sagte der alte Schneider, 'hat die Ziege ihr gehöriges Futter?' 'O,' antwortete der Sohn, 'die ist so satt, sie mag kein Blatt.' Der Schneider traute nicht, gieng hinab und fragte 'Ziege, bist du auch satt?' Das boshafte Thier antwortete

         'wovon sollt ich satt sein?
         ich sprang nur über Gräbelein,
         und fand kein einzig Blättelein: meh! meh!'

'O die Lügenbrut!' rief der Schneider, 'einer so gottlos und pflichtvergessen wie der andere! ihr sollt mich nicht länger zum Narren haben!' und vor Zorn ganz außer sich sprang er hinauf und gerbte dem einen Jungen mit der Elle den Rücken so gewaltig, daß er zum Haus hinaus sprang.
Der alte Schneider war nun mit seiner Ziege allein. Am andern Morgen gieng er hinab in den Stall, liebkoste die Ziege und sprach 'komm, mein liebes Thierlein, ich will dich selbst zur Weide führen.' Gr nahm sie am Strick, und brachte sie zu grünen Hecken und unter Schafrippe und was sonst die Ziegen gerne fressen. 'Da kannst du dich einmal nach Herzenslust sättigen' sprach er zu ihr, und ließ sie weiden bis zum Abend. Da fragte er 'Ziege, bist du satt?' Sie antwortete

         'ich bin so satt,
         ich mag kein Blatt: meh! meh!'

'So komm nach Haus' sagte der Schneider, führte sie in den Stall und band sie fest. Als er weggieng, kehrte er sich noch einmal um, und sagte 'nun bist du doch einmal satt!' Aber die Ziege machte es ihm nicht besser und rief

         'wie sollt ich satt sein?
         ich sprang nur über Gräbelein,
         und fand kein einzig Blättelein: meh! meh!'



Das Märchen könnt Ihr HIER weiter lesen
oder auf unsere Fortsetzung warten


Bitte beachtet die Regeln, diese Ihr HIER findet
Ihr könnt Euch mit Euren Werken bis zum 31. Juli  20 Uhr unten im Frosch verlinken.



Wir freuen uns auf Eure Werke und die Geschichte dazu
Ganz liebe Grüße und ein fröhliches Basteln
Eurer Designteam

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